Wootdefokk?

Emo - eine Religion, Sekte oder doch nur doof?

 

Es ist soweit, mein erster philosophischer Erguss auf myblog.de! Unterlegt mit dramatisierender Musik versuche ich nun so weit es geht zu vermitteln wie ich gegenüber dem Thema Emo stehe.

Vorweg: Ich distanziere mich von Aussagen a lá „Emo ist [k]ein Trend“ und auch weitestgehend von unberechtigten Vorurteilen.

Genug Stichelei, ab in den Brei!
Emo ist, wie sollte es anders sein, eine Gruppierung die für Teenager am attraktivsten ist, warum auch nicht? Du bist rebellisch, fällst auf, hast einen gesellschaftlichen Stand, bist etwas besonderes, stehst im Mittelpunkt, bist das was du sonst nur dann schaffst wenn du dir irgendwie Mühe gibst, bis auf die halbe Stunde mehr Morgens die man zum schminken, Haare machen etc. braucht ist Emo auch kein wirklicher Nachteil, wieso auch? Man begibt sich damit ja nur freiwillig in die Fänge spätpubertärer Schulschläger die ausser Vorurteilen und prügel nichts vom eigenen Hause mitbekommen. Also, was tun wir, um Emo zu schützen? Genau, wir reden uns, ganz ohne schlüssige Argumente, ein das wir eine elitäre Form der Emotionalenverbundenheit zu unseren Mitmenschen entwickelt haben, wir, als vorzeige Emo, fristen unser Dasein in größt möglichem Umfang damit Vorurteile abzuweisen, nach einiger Zeit übliche menschliche Neigungen zu zeigen, Abweisung anderer, dritter, jenen gegenüber die zerstören was für uns so toll gewesen ist.. denn, was macht Emo schon so besonders wenn es jeder dritte ist? Ich falle doch gar nicht mehr auf mit meinem Pali-Tuch, meinem Nietengürtel oder meiner Frisur in dessen Pflege ich mein halbes Taschengeld stecke, wie denn sonst? Durch eigene Fähigkeiten? Möglicherweise dadurch das wir uns ein wenig bilden und damit dann weiterkommen? Einsehen dass das nicht notwendig ist?
Okay, bevor ich abschweife: Der Titel!

Emo – eine Religion? Sicherlich eine reißerische Überschrift, dennoch passend. Was ist eine Religion? Was ist Emo? Ich überspringe die kindlich-naive Vorstellung „Emo´s not fashion, it´s a Lifestyle“ mal und komme auf die Gründe zu, die ich für mich als einleuchtend und schlüssig erachte.
Ein Emo ist nicht allein, er gehört einer Gruppe an, ebenso wie ein Kirchenmitglied einer Gemeinde hat ein Emo Rückhalt, er findet gleichgesinnte, ob in Internet-Foren oder an den Hauptbahnhöfen dieses Landes, ein Emo findet immer jemanden der ihm zuhört, natürlich ist nicht zu verachten das auch unter Emos menschliche Selektion von statten geht, einer der wenigen Unterschiede im Vergleich zum Glauben.
Ein „Neu-Emo“ ist etwa so wie ein „Neu-Reicher“. Er verringert den Status des Emo-Daseins, er zerstört die komplexe Vorstellung des Emotums in seiner reinheit, klein, besetzt von Styl-Ikonen die anschließend auch noch die absolute Minderheit sind, ausser auf Emo-Treffen. Bis auf die nicht vorhandene Beitrags-Pflicht mit der einzige Unterschied zur Kirche.

Ein Emo muss keine Angst vor Einsamkeit haben, wenn er jemanden braucht meldet er sich in einem Forum an, nennt sich „xXxFallenemostarxXx“ und eröffnet als erstes einen Thread in dem er genau beschreibt wie ihm sein Butterbrot vom Tisch gefallen ist, denn genau das ist ja die traumatische, alles niederschmetternde Erfahrung die er gemacht hat, er ist bildlich gesprochen auf die Schnauze gefallen, zerstört vom harten Boden der Realität, wie das Butterbrot das auf die beschmierte Seite gefallen ist, so ist auch unser Emo xXxFallenemostarxXx in seiner Ansicht schmutzig, muss aufgebaut werden, wobei dies natürlich nur immer wiederkehrende Motivations-Floskeln sind, und ‚erhebt sich aus der Asche wie der Phoenix‘.

So sollte man aber auch mal eine schützende Hand erheben, Emos sind definitiv nicht ausschließlich gebeutelte Ketchupflaschen die nicht verstehen das sie sich lächerlich machen, nein, es sind lediglich Menschen. Der Mensch hat den Drang nach Mitteilung, er bildet Herden, diese nennen wir galant Freunde, Freundeskreis als Überbegriff, manche wollen nun, trotz allem Widersinns absolut individuell sein, diese, hier ist der Widersinn, bilden dann eine Gruppe von individuellen Menschen die alles möglichst gleich machen – Faux pass? Exakt!
Dennoch verständlich, in aller sich in mir regenden Unverständnis gegenüber den Bürden kann ich verstehen das jemand etwas besonderes sein will, Menschen drehen ihre Kreise, schreiten von 1 auf 2 auf 3 und dann von neuem, begehen Fehler immer wieder neu, hier hat uns die Laborratte etwas vorraus, und doch trotz all jener Gewissheit, trotz all jener, absoluten Gewissheit die ich in diesem Punkt sehe, mache auch ich die gleichen Fehler neu, klar, bin ja ein Mensch...

So möchte ich mir nicht erlauben Emo zu verurteilen, ich würde es sogar auf eine religiöse Ebene anheben, jedoch ist es ebenso auch als Sekte annehmbar, Scientologen suchen ebenfalls nur Nähe nach Leuten die mit ihrer Ansicht konform gehen, sie suchen Hilfe, Liebe, Schutz vor Einsamkeit eben.

Mal ein Beispiel: Nehmen wir an ich (Amir) finde mich so toll das ich es für richtig halte eine Amirsche Bewegung ins Leben zu rufen, ich bilde also die Amir, eine Gruppierung von Leuten jeden Alters, Vorraussetzungen gibt es natürlich keine, es ist ja eine Gruppierung der sich jeder anschließen kann, ob die nette Internetbekanntschaft oder der langjährige Freund aus Sandkasten Zeiten, ja sogar Leute die ich noch nie gesehen geschweige denn mit ihnen kommuniziert habe können sich von mir aus der „A.m.I.R.“ (Anti-motivierte-Intellektuelle-Rebellen) anschließen und diese verkörpern, wer weiss, vielleicht gibt es in 20 Jahren einen A.m.I.R.-Style, eine AmiR H&M Kollektion und die jungen Mädchen entdecken Röcke die absolut zu meiner Einstellung passen, vielleicht gibt es dann auch A.m.I.R.-Vorurteile und meine Jünger müssen sich mit dem Ernst des Lebens konfrontiert sehen.. schrecklicher Gedanke!

Mal im Ernst, die Vorstellung eine zukunftsorientierte Lebenseinstellung zu kreieren wäre nicht annähernd so abwegig wie sie im ersten Moment erscheint, logische Überlegungen, ein wenig Sachverstand und eine gute Menschenkenntnis reichen aus um den „Punk“ der 2020er zu schaffen.

So bleibt zu sagen: Emos, Goths, Punks und sonstige Gruppierungen, Sekten- und Religionsanhänger, wir sind alle gleich, gleich menschlich, gleich berechenbar, gleich naiv. Wir sind alle gleich.

1.12.07 14:48

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